worm hole

Foto des Monats Oktober 2014 – worm hole

Foto des Monats Oktober 2014 - worm hole

Deutschland ist eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas. Wir sind zudem eine sehr moderne Gesellschaft und erzeugen daher leider auch sehr viel künstliches Licht. Die stetig fortschreitende Urbanisierung unserer Städte hat zur Folge, dass sich der Nachthimmel immer weiter aufhellt. Diese besorgniserregende Entwicklung hat nicht nur negative Auswirkungen auf unsere Natur und Tierwelt, sondern auch auf uns Menschen. Gleichzeitig geht uns ein wichtiges Kulturgut Stück für Stück verloren ... der Sternenhimmel.

Um Gebiete mit dunklem Himmel, gleichermaßen wie Naturschutzgebiete, zu schützen, hat die International Dark Sky Association (IDA) im Februar 2014 den Naturpark Westhavelland (westlich von Berlin) zum 1. Dark Sky Reserve (Nachthimmel-Schutzgebiet) Deutschlands gekürt. Damit honorierte die Organisation die Bemühungen der Region zur Reduzierung von Lichtemissionen sowie ihrer Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf den schützenswerten Nachthimmel. Die IDA hat den Sternenpark Westhavelland in die Einteilung "Silber" (mit einer Flächenhelligkeit >21.00 mag/arcsec²) aufgenommen, weil teilweise im Havelland Werte von 21.7 mag/arcsec² gemessen wurden. Dafür herzlichen Glückwunsch von uns!

Zur Messung der Himmelshelligkeit kann im Übrigen das von der kanadischen Firma Unihedorn produzierte Sky Quality Meter genutzt werden, welches sich auch in unserem Besitz befindet. Es misst die Himmelshelligkeit in der astronomischen Einheit Quadratbogensekunden. Je höher die angezeigten Werte desto dunkler der Himmel. Wir haben damit bereits selber an einigen Standorten in Dresden die Flächenhelligkeit gemessen. In der Nähe des Alaunparks sowie auf dem Neumarkt erhielten wir vergleichsweise Werte <19.00 mag/arcsec². Also kein Vergleich zum Havelland! Zur besseren Einordnung sei auf folgende Tabelle verwiesen:

Himmelshelligkeit nach IDA-Norm
21.7 mag/arcsec² - natürlicher Himmelshintergrund, Milchstraße bis Horizont sichtbar; Wolken schwarz

21.4 mag/arcsec² - Zodiakallicht (im Frühjahr abends, im Herbst morgens) gut sichtbar; Milchstraße, Wolken über Städten am Horizont hell
20.5 mag/arcsec² - Milchstraße sichtbar mit geringem Kontrast; Wolken im Zenit hell
19.5 mag/ardsec² - Milchstraße im Zenit schwach erkennbar
18.5 mag/arcsec² - wenige Sterne; Himmel stark aufgehellt

Mittlerweile darf sich auch der Sternenpark Rhön als 2. Dark Sky Reserve Deutschlands mit diesem Titel der IDA schmücken. Auch in der gesamten Nationalparkregion Eifel strebt man innerhalb der kommenden 2 Jahre ein Sternenreservat an. Dieses Engagement wurde bereits mit einer Auszeichnung als Sternenpark von der IDA honoriert.

Somit gibt es in Deutschland nun mittlerweile drei von der IDA anerkannte Standorte, welche für den Erhalt eines natürlichen Nachthimmels in Deutschland kämpfen. Das war für uns Grund genug, um herauszufinden, wieviele Sterne mitten in Deutschland wirklich zu sehen sind. Schließlich ist es schon eine Weile her, dass wir unsere Milchstraße mit bloßem Auge erkennen konnten. Also fuhren wir im September diesen Jahres ins Westhavelland, um uns eine eigene Meinung zu bilden. Unsere Erwartungshaltung stieg ins Unermessliche, insbesondere nachdem wir die Lichtverschmutzungskarte Deutschlands auf der Webseite des Herzberger Teleskoptreffens sahen, welche die Dunkelheit der zuvor genannten Standorte bestätigt.

Kurz gesprochen... als wir im Havelland ankamen und direkt aus unserer Ortschaft in den nächtlichen Himmel schauten, waren wir überwältigt von einem unglaublichen Sternenmeer. Wann hatten wir das letzte Mal die Milchstraße direkt vor unserer Haustür gesehen? Es war unglaublich schön. Die erste klare Sternennacht nutzten wir natürlich für ein erstes Sternenspurenfoto. So entstand unser neues Foto des Monats Oktober 2014 mit dem Namen "worm hole". Mit dieser Farbexplosion der Sternenspuren möchten wir die nächtliche Schönheit dieser Region zum Ausdruck bringen.

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Foto des Monats Oktober 2014 - "worm hole"

Foto des Monats Oktober 2014 - "worm hole"

Auf nachfolgender Deutschlandkarte könnt ihr die aktuellen "Dark Sky"-Schutzgebiete und -Parks erkennen, welche die Minimalkriterien der IDA für natürliche Dunkelheit erfüllen und ideale Standorte für Sternebeobachtungen sowie Sternefotografie bilden.

Euer photo-bloom-Team

Details zum Foto des Monats Oktober 2014

Blende: f2.8
Brennweite: 15 mm
Belichtungszeit: 19.393 s 
ISO 2000

Kamera: Nikon D610
Objektiv: Sigma Fisheye 15 mm
Stativ: SLIK SH 705-E
Fernauslöser: Hähnel Giga T Pro II Funk-Fernauslöser
externe Spannungsversorgung + Objektivheizung: Eigenbau

Originalfoto

Originalfoto

Adobe Bridge CS6
StarStax
Adobe Photoshop CS6

Nik Color Efex Pro 2