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2015 – Internationales Jahr des Lichts

2015 – Internationales Jahr des Lichts

Die UN-Generalversammlung hat das Jahr 2015 offiziell als "Internationales Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien" ausgerufen. Damit greifen sie eines der hochaktuellen Themen unserer Zeit auf ... der Bedeutung von Licht als elementare Grundlage des Lebens für Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen.

Wir möchten das "Internationale Jahr des Lichts" nutzen, um beginnend mit diesem Beitrag über die Nachtfotografie in Städten (im speziellen Dresden) zu berichten. Wieviel künstliches Licht wird in Dresden erzeugt? Wie gut ist das städtische Lichtkonzept? Welche Lichtquellen sind störend oder gar unnötig? Welche Probleme bringt künstliches Licht im Hinblick auf die Fotografie mit sich? Warum sollten wir der zunehmenden Lichtverschmutzung entgegenwirken? Welchen Einfluss hat jeder Einzelne auf die Reduzierung von Lichtverschmutzung in unseren Städten? Diese und viele weitere Fragen versuchen wir im Jahr 2015 durch fotografische Projekte zu beantworten, um vor allem Stadtbewohner für einen schonenden Umgang mit der Ressource Licht zu sensibilisieren.

Licht und Fotografie

Seit über 3,5 Milliarden Jahren bestimmt der regelmäßige Zyklus zwischen Tag und Nacht das Leben auf der Erde. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts Joseph Nicéphore Niépce und Louis-Jacques-Mandé Daguerre die Geburtsstunde der Fotografie einläuteten, begann eine aufregende Zeit. Seit dem lieben wir Fotografen Licht so sehr, dass wir permanent versuchen dessen Ausprägungen dauerhaft auf unseren Fotos einzufangen. Im Wesentlichen besteht unser Hobby also darin, mittels Licht und dessen Reflexionseigenschaften Formen und Farben zu Motiven zu modellieren. Das Fehlen von Licht ist dabei gleichermaßen wichtig, weil dadurch Hell-Dunkel-Kontraste entstehen, die Spannung erzeugen und dem Bild Ausdruck verleihen.

Im Bereich der Nachtfotografie kämpfen wir sehr häufig mit extremen Hell-Dunkel-Kontrasten, welche wir oft nur durch Mehrfachbelichtung und anschließender HDR- oder DRI-Bearbeitung der Fotos in den Griff bekommen. Je gleichmäßiger unsere Städte nachts ausgeleuchtet werden, desto mehr sinkt der Kontrastumfang. Demzufolge sollten wir auch die letzten dunklen Hausecken noch viel heller ausleuchten, richtig? Gaaanz falsch! Zwar würde sich in diesem Fall der Nachbearbeitungsaufwand erheblich reduzieren, da der Kamerasensor aufgrund geringerer Kontraste den Belichtungsumfang in nur einer Aufnahme erfassen könnte, aber wir würden uns sehr viele neue Probleme schaffen. Eines dieses Probleme können wir selber Jahr für Jahr beobachten... den Verlust der Nacht.

Lichtverschmutzung

Was Jahrtausende unser Leben bestimmte geht leider immer mehr verloren. Mittlerweile sind unser Städte so hell beleuchtet, dass es schwer fällt durch den Lichtsmog in den Sternenhimmel zu blicken. Wir persönlich finden es immer wieder erstaunlich, wie vielen dieses Thema egal ist?! Wir fanden uns schon mit Aussagen konfrontiert, wie:

  1. "Es gibt doch Rollos, um das Schlafzimmer abzudunkeln." (Klar, bestimmt gibt's auch große Vorhänge für die letzten verbliebenen Stadttiere.) oder ...
  2. "Wir sollten die Stadt die ganze Nacht durchweg beleuchten, auch wenn nur vereinzelte Touristen durchlaufen, weil die dann ihren Freunden davon erzählen und die dann wiederum auch nach Dresden kommen." (?! Jepp, was kostet die Welt?). Unser ganz persönlicher Favorit ist aber ...
  3. "Wenn ich Sterne sehen will, fahre ich auf's Land." (Für diese Leute ist es sicher auch ok, einen Mundschutz zu tragen oder auf's Land zum atmen zu fahren, wenn der Smog in der Stadt zu groß wird. Also warum sich mit Umweltschutz befassen?!)

Das waren für uns genug unüberlegte Aussagen. Lichtverschmutzung (und Umweltverschmutzung im Allgemeinen) ist weder sexy noch gesund! Dennoch sehen wir uns tagtäglich mit solchen Menschen konfrontiert und sollten darum nicht einfach abwinkend weiterlaufen. Dafür ist dieses Thema für unsere Zukunft viel zu bedeutend.

Wir erachten es daher als wichtig all jenen, gegenüber Lichtverschmutzung gleichgültigen Personen, die Schönheit und Bedeutung der Nacht wieder ins Gedächtnis zu rufen. Dafür haben wir uns ein besonderes Foto-Projekt überlegt, welches wir seit über einem Jahr begleiten. Dieses Projekt thematisiert die Vor- und Nachteile des künstlichen Lichts in Städten. Wir berichten über die Sinnhaftigkeit und Sinnlosigkeit städtischer Beleuchtungsanlagen, die Notwenigkeit zu findender Kompromisse bei deren Ausführung und Installation im Hinblick auf Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz sowie über die Bereitschaft von Lichtverschmutzern zur Reduzierung von Lichtemissionen. Das Projekt thematisiert aber auch die Letargie und Gleichgültigkeit bestimmter Personengruppen im Hinblick auf deren fehlende Motivation, deren Gleichgültigkeit und fehlenden Mut sich gegen Lichtverschmutzung zu engagieren und sich im Interesse unserer gemeinsamen Zukunft gegen den schleichenden Verlust der Nacht zu währen.

Was wäre wenn ...

Milky Way (Aufnahme in der Sächsischen Schweiz)

Milky Way (Aufnahme in der Sächsischen Schweiz)

... wir nachts vor die eigene Haustür treten, den Blick nach oben richten und die Milchstraße sehen können? Was uns Städtern als eine völlig absurde Frage erscheint, wurde im Westhavelland zur Realität. (Wir hatten diesbezüglich bereits im Vorjahr einen Beitrag geschrieben, welcher hier zu lesen ist.) Was von der überwiegenden Mehrheit der 10 Kommunen im größten Naturpark Brandenburgs gemeinsam über viele Jahre hart erkämpft wurde, ist beispielhaft für Deutschland. Vor allem durch die Umsetzung neuer Beleuchtungsrichtlinien und spätestens mit der offiziellen Ernennung zum 1. Sternenpark Deutschlands begann in der Nähe Berlins eine neue Art von Tourismus ... der Astro-Tourismus.

Der Fotograf Thierry Cohen  hat mit einem seiner fotografischen Projekte gezeigt, wie der Sternenhimmel über den Städten aussehen könnte, wenn auf jegliche Beleuchtung verzichtet wird. Das ist wahrlich eindrucksvoll, wäre aber sicher nicht zielführend. Es gibt schließlich auch gute Gründe für die städtische Beleuchtungsanlagen (z.B. in Form von Straßenbeleuchtung zur Unfallvermeidung). Aber sein Projekt zeigt auch, was jeder unserer Urväter kannte und jetzt nur noch wenige kennen - den ungehinderten Blick auf unsere Heimatgalaxie der Milchstraße.

Grundsätzlich ist die Idee von Thierry Cohen fantastisch. Seitdem die Havelländer gezeigt haben, was durch Überzeugungskraft, Tatkraft, Organisationstalent und intelligentes Investment mitten im industrialisierten Deutschland möglich ist, träumen wir von dem Titel "Sternenstadt Dresden". Natürlich kann sich aktuell kein Mensch der Welt (außer vielleicht uns) vorstellen, dass es möglich ist,  eine Stadt mit einem klaren Sternenhimmel zu verbinden, aber Albert Einstein sagte ja bereits sehr treffend: "Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie."

Warum sollte Dresden auch nicht versuchen den städtischen Nachthimmel zu schützen? Dieses Kulturgut geht uns schließlich immer mehr verloren. Nachtfotografen wissen das. Jahr für Jahr sind wir gezwungen uns immer weiter von den Städten zu entfernen, um Sterne zu fotografieren. Wenn das so weiter geht, bleiben nicht mehr viele dunkle Orte zwischen den Städten übrig und wir sehen nirgendwo mehr Sterne in Deutschland. Daher glauben wir an die Vision, dass unsere Stadt Dresden ein Vorreiter im weltweiten Kampf gegen Lichtverschmutzung sein kann (und vielleicht auch sein muss). Welcher Zeitpunkt zum Start der Umsetzung dieser Vision scheint besser geeignet, als das "Internationale Jahr des Lichts"?

Foto des Monats - starred

Foto des Monats - starred

Wie schwer es sein wird diese Vision zu erfüllen, lässt unser Foto des Monats erahnen, welches in einem thüringischen Dorf aufgenommen wurde.  Zwar ist die Milchstraße auf dem Foto zu erahnen, aber es ist auch sehr deutlich eine starke Lichtverschmutzung am Horizont zu erkennen, da wir in Richtung des Dorfkerns fotografierten. Auch wenn diese starke Aufhellung zum Teil mit der Nachbearbeitung des Fotos zu tun hat und diese von uns vor Ort nicht so stark wahrgenommen wurde, wird schnell klar, dass Lichtverschmutzung nicht nur in Städten ein Thema ist.

Vergleich verschiedener Beleuchtungsverhältnisse

Vergleich verschiedener Beleuchtungsverhältnisse

Noch deutlicher wird eine direkter Vergleich der unbearbeiteten Aufnahmen, welche unterschiedliche Beleuchtungsverhältnisse aufzeigen. Der gesamte Himmel wird aus Blick des Betrachters aufgehellt, so dass viel weniger Sterne sichtbar sind. Man kann sich vorstellen was passiert, wenn alle Häuser gleichzeitig beleuchtet werden. Der Himmel würde sich um ein Vielfaches aufhellen. Genau dieser Effekt verhindert es, die Milchstraße auch nur annähernd aus dem Zentrum einer Stadt zu sehen.

Ab dem nächsten Blog-Beitrag, mit dem wir unser Projekt erstmalig veröffentlichen, zeigen wir euch den Nachthimmel über Dresden in vermutlich noch nie zuvor gesehener Art und Weise und erzählen etwas über die Hintergründe und Schwierigkeiten bei der Umsetzung unserer Fotos.

Euer photo-bloom-Team

Details zum Foto des Monats - Januar 2015


Blende: f2.8
Brennweite: 14 mm
Belichtungszeit: 20 s
ISO 1000

Kamera: Nikon D610
Objektiv: AFS-Nikkor 14-24 mm f2.8 G ED
Stativ: Manfrotto MT190XPRO3 mit Kugelkopf SIRUI K-30X
Fernauslöser: JJC TM-M Timer-Fernauslöser

Originalfoto

Originalfoto

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Nik Color Efex Pro 2